Rumänien-Report Teil 1 - Einsatz vor Ort und Blick hinter die Kulissen
Ursprünglich führte uns ein Hilferuf zu diesem Einsatz: Eine alte, kleine Hündin in Ecosal brauchte dringend unsere Hilfe. Doch als wir dort eintrafen, kam jede Unterstützung zu spät. Innerhalb einer einzigen Nacht war sie totgebissen worden.
Dieser Moment hat uns tief getroffen. Er war der Anlass, genauer hinzusehen – und was wir sahen, lässt sich kaum in Worte fassen.
Ein Blick hinter die Gitter – Realität, die weh tut
Wir haben ein Bild vorgefunden, das uns noch lange begleiten wird: Hunde, die im Schlamm und Dreck leben, hungrig, krank, voller Wunden. Manche sind schwach und geben langsam auf, andere kämpfen um jedes bisschen Aufmerksamkeit.
Es gibt auch Mitarbeitende, die sich liebevoll um die Tiere kümmern. Doch der Alltag dort ist oft geprägt von Gleichgültigkeit oder Überforderung. Hunde werden am Nacken gepackt, mit Schlaufen herausgezerrt – der Versuch, ein Leben zu retten, ist dort häufig ein Kampf gegen Windmühlen.
Zwischen all den kranken, geschwächten und verängstigten Hunden herrscht eine Atmosphäre, die kaum zu beschreiben ist: eine brodelnde Aggression, geboren aus Platzmangel, Überfüllung, Stress und Angst. Hunde drängen sich in viel zu kleinen Zwingern zusammen, es kommt zu permanenten Beißereien – ein täglicher Überlebenskampf, der kaum Raum für Ruhe oder Heilung lässt.
Noch erschütternder ist die Situation der vielen trächtigen Hündinnen, die dort ausharren. In Ecosal werden unkastrierte Hunde nicht einmal nach Geschlecht getrennt. Das bedeutet: Sie werden immer wieder gedeckt, immer wieder trächtig, bringen Nachwuchs zur Welt – Nachwuchs, der oft nicht einmal eine minimale Chance auf Leben hat.
Wir selbst wurden Zeuginnen eines grausamen Bildes: Rund 40 Welpen sind allein zwischen Freitag und Montag elendig verreckt – an Parvovirose. Wir wählen dieses Wort ganz bewusst, denn niemand hat versucht, sie zu retten. Niemand hat gehandelt, niemand hat ihnen eine Chance gegeben.
Polly – Hoffnung inmitten von Verzweiflung
Wir haben in die Augen unserer großen Mama-Hündin Polly geblickt und dort eine Traurigkeit gesehen, die kaum auszuhalten ist – als sie begriff, dass alle ihre Welpen gestorben waren. Als wir sie schließlich aus dem Shelter holen durften, saß sie – während alle anderen Hunde aus dem überfüllten Zwinger sich bei Regen und Kälte ins Gebäude zurückgezogen hatten – alleine draußen im Regen, regungslos, mit leerem Blick und völlig verzweifelt.
Doch als sie uns sah, als sie verstand, dass wir gekommen waren, um sie zu holen, begann sie ganz vorsichtig mit dem Schwanz zu wedeln. Diese kleine Geste war ein Moment, der uns zutiefst berührt hat. Die Liebenswürdigkeit und die Freude, die sie zeigte, als sie begriff, dass sie diesen schrecklichen Ort endlich verlassen darf, lassen sich kaum in Worte fassen.
Im Tierheim Help Labus angekommen, durfte Polly im Susy Utzinger Stiftungsbereich erst einmal zur Ruhe kommen – ein sicherer Ort, an dem sie Kraft tanken kann, bis sie weiter auf ihre Pflegestelle reist. Dort begrüßte sie schwanzwedelnd und freundlich jeden einzelnen Menschen, der ihr begegnete.
Und genau hier zeigt sich, was für wunderbare Seelen in einem so schrecklichen Ort wie Ecosal zu finden sind: Tiere, die trotz allem Leid, trotz all der Verluste und Enttäuschungen nie aufgehört haben, den Menschen zu vertrauen und sie zu lieben.